54. Internationales LAZ-Meeting Rhede: Spitzenleistungen, Qualifikationsnormen und persönliche Bestleistungen

4. Vorlauf 100m Männer,v.r.: Mustaqueem Kiani (182), Lucas Ansah-Peprah (44), Jakob Bruns (82), Felix Jahn (37), Junior Boateng (45), Robert Polkowski (8) (Foto: Carola Gasterstädt)

Zum 54. Mal trafen sich Leichtathletinnen und Leichtathleten aus Europa und der Welt in Rhede, um ihr Können zu zeigen. Trotz hoher Temperaturen und wechselnder Winde im BESAGROUP-Sportpark wurden zahlreiche Spitzenleistungen, Qualifikationsnormen und persönliche Bestleistungen erbracht.

Traditionell eröffneten die Hammerwerferinnen und -werfer das Meeting. Mit Samantha Borutta und Sören Klose (beide Frankfurt) setzten sich die Favoriten mit starken Leistungen durch. Borutta schleuderte den 4-kg-Hammer auf 69,62 Meter und blieb damit nur knapp unter der 70-Meter-Marke. Sören Klose freute sich, zwei Tage nach seiner standesamtlichen Hochzeit, über den drittbesten Wurf seiner Karriere. Im vierten Durchgang warf er den 7,25-kg-Hammer auf international beachtliche 76,15 Meter und näherte sich damit der EM-Norm an.

Die EM-Norm in ihrer Altersklasse übertraf Charlotte Jochmann gleich dreimal. Die Topathletin aus der Trainingsgruppe von Werner Niehaus erzielte im vierten Durchgang eine neue persönliche Bestweite von 64,49 Metern, und das nach einer harten Trainingswoche im Olympischen Leistungszentrum Kienbaum. „Diese Woche lassen wir es ruhig angehen, denn bereits am Samstag stehen die Deutschen U18-Meisterschaften auf dem Programm“, erläutert Niehaus die Strategie. „Wobei natürlich die wichtigsten Übungen für den „Feinschliff“ nicht fehlen dürfen“. Im Falle von Jochmann sind dies Technikwürfe und dosiertes Krafttraining.

Enie Dangelmaier musste am Sonntag den anderen DLV-Springerinnen mit ihrer Tagesbestweite von 6,25 Metern den Vortritt lassen. Wobei Finja Köchling (Frankfurt) mit einer neuen persönlichen Bestweite von 6,52 Metern, die derzeit zweitbeste Weitspringerin im DLV, Imke Dahlmann (6,46m/Leverkusen) und Tabea Christ (6,46m/Münster) auf die Plätze verwies. Noch weiter sprang die Niederländerin Fleur Jong, die als Para-Athletin mit zwei Prothesen 6,72 Meter erzielte. Drehende Winde machten es den Athletinnen schwer, den Absprungpunkt exakt zu treffen.

Bei den Männern setzte sich der junge Simon Plitzko (Bergedorf) mit 7,90 Metern gegen Luka Heden (Münster) durch, der auf 7,84 Meter kam. Während Luka Herden als Bestätigungsnorm für die EM exakt 7,90 Meter gebraucht hätte, da er bereits im Winter 8,18m weit gesprungen ist, muss Simon Plitzko noch die EM-Norm von 8,05 Meter erreichen. „Die unterschiedlichen Qualifikationsmodi sind mittlerweile eine Wissenschaft für sich. A-Norm, B-Norm, Rankingpunkte und Zusatznormen, die von den internationalen und nationalen Verbänden gefordert werden, sind ein enormes Ärgernis und schaden dem Sport“, sieht Jürgen Palm die Entwicklung kritisch.

Dass alle Jahre wieder zahlreiche Top-Athletinnen und -Athleten den Weg nach Rhede finden, liegt dann auch nicht an üppigen Preisgeldern, sondern an den Top-Bedingungen und der leistungsfördernden Atmosphäre in Rhede. „Hier ist ja an alles für uns Sportler gedacht“, zeigte sich auch der derzeit beste deutsche 400-m-Läufer Jean Paul Bredau (Wolfsburg), der einen Tag nach seinem Geburtstag und zwei Wochen nach seiner Hochzeit nach Rhede gekommen ist, begeistert von der Organisation und der Atmosphäre im Besagroup-Sportpark. Kurz nach seiner Frau Luna Bredau (Wolfsburg), die über die 400m der Frauen in 53,32 Sekunden siegreich war, stieg Bredau in die Startblöcke. In 20,75 Sekunden erzielte er eine neue persönliche Bestzeit über die 200 Meter und hatte dabei Pech mit dem Wind (-1,4m). Der Sieger Luca Ansah-Peprah (20,65s/Hamburg) wurde bei seinem Sieg von leichtem Rückenwind unterstützt.

Groß war die Freude bei Jan Eric Frehe (Münster), der als schnellster 100-m-Sprinter in 10,24 Sekunden seine persönliche Bestzeit einstellte und die schnellen Köllner Maurice Grahl (10,27s) und Marvin Schulte (10,28s) auf die Plätze verwies. Frehe war damit exakt so schnell wie zuletzt vor zwei Jahren – natürlich in Rhede.

Einen Doppelsieg errang Jolina Ernst (Wattenscheid) über die 100 und 200 Meter der Frauen. Die Tochter von Melanie Paschke, die von ihrem Vater André Ernst trainiert wird, gehört mit ihren 22 Jahren zu den hoffnungsvollsten Sprinterinnen im DLV. Nach schnellen 11,39 Sekunden im Vorlauf machte allerdings der starke Gegenwind einen Strich durch ihre Rechnung, unter 11,30 Sekunden zu laufen, und die Uhren blieben erst nach 11,60 Sekunden stehen. Bei ihrem 200-m-Sieg in 23,51 Sekunden wurde sie dann von leichtem Rückenwind unterstützt: „Wir kommen immer gerne zu euch nach Rhede. Danke für euer Meeting“, kommentierte André Ernst die 54. Auflage des LAZ-Meetings.

Zum Abschluss gab es dann noch einmal Grund zum Jubel für die „LAZ-Familie“. Jarla Schlütter verbesserte bei ihrem ersten Lauf über 1500m Hindernis den Landesrekord der W15 um elf Sekunden auf starke 4:59,80 Minuten. Als zweite der Meldeliste gehört sie damit auch zum erweiterten Medaillenkreis bei der U16-DM in Bochum-Wattenscheid.

Ein großes Dankeschön richtete der 1. Vorsitzende des LAZ Rhede Andreas Böing an alle fleißigen Helferinnen und Helfer des LAZ Rhede, die trotz großer Strapazen immer ein Lächeln für die Gäste übrig hatten. Ein besonderes Lob verdienten sich die Kampfrichterinnen und Kampfrichter, die wieder für einen reibungslosen Ablauf des Meetings sorgten: „ Unsere Kampfrichterinnen und Kampfrichter in der Region sind einfach klasse. Ich bin immer sofort beruhigt, wenn ich sie durchs Stadiontor auf die Anlage kommen sehe“, bedankt sich Jürgen Palm bei den Frauen und Männern um Wolfgang Schroller, den Leiter des Kampfgerichts und Karin Bruné, die das Wettkampfbüro leitet.

Ergebnisse

Meeting-Fotos von Simon Heweling: